Statistik: Jede 4. Frau Opfer häuslicher Gewalt

Jede vierte Frau wird in Deutschland Opfer von häuslicher Gewalt, was auch häufig Auswirkungen auf die Kinder hat. Studien belegen klar, dass Kinder und Jugendliche, die in der Familie Gewalt erleben, besonders häufig selbst kriminell oder auffällig werden. Aber wie bekommt man das alte Problem endlich in den Griff?

Häusliche Gewalt geschieht täglich – überall

Ingrid Mauer vom Bundesfamilienministerium weiß genau um diese Missstände. Sie beschäftigt sich als Mitarbeiterin des Referats „Schutz von Frauen vor Gewalt“ tagtäglich mit Opfern häuslicher Gewalt. Die Zahlen, die sie nennt, schockieren: 25 Prozent aller deutschen Frauen geben an, häusliche Gewalt durch ihren aktuellen oder einen früheren Partner erlebt zu haben. Zwei Drittel dieser Frauen haben schwere bis schwerste körperliche und sexuelle Gewalt aushalten müssen, die meist mit Krankenhausbesuchen enden. Im Bundesreferat geht es also nicht um Kleinigkeiten: Die Gewalt ist greifbar, real und passiert jeden Tag.

Frauenhäuser mit erschreckend hohem Zulauf

Wer als betroffene Frau Hilfe sucht, ist in einem Frauenhaus am besten beraten. In ganz Deutschland gibt es rund 350 solcher Einrichtungen, in denen Frauen sofort einen gesicherten Zufluchtsort finden können. Dazu kommen noch 750 Fachberatungsstellen, die Betroffenen unter Umständen wichtige Hinweise und Adressen nennen können. Rund 15.000 Frauen suchen mit ihren Kindern in jedem Jahr in Deutschland Zuflucht in einem Frauenhaus – das bedeutet, dass insgesamt rund 30.000 Menschen jedes Jahr auf die Hilfe dieser Einrichtungen angewiesen sind, weil ihnen Gewalt in den eigenen vier Wänden droht.

Gewalt erzeugt weitere Gewalt

Viele Frauen befinden sich in einer Zwickmühle: Sie wollen vor allem ihre Kinder schützen und ihnen ein normales Zuhause ermöglichen. Daher wird körperliche oder seelische Gewalt häufig verschwiegen oder einfach hingenommen, was schnell zu einem Teufelskreis führt. Nach Experten-Schätzungen soll jeder siebte Elternteil seine eigenen Kinder schlagen. Auch hier ist also noch viel Handlungsbedarf. Problematisch ist die Situation nicht nur für die direkt Betroffenen, sondern auch für nahstehende Personen. Weil sich Gewalt im Elternhaus häufig auf den gesamten weiteren Lebensweg der Betroffenen auswirkt und diese statistisch gesehen besonders häufig kriminell oder gewalttätig werden, könnte auch die Zunahme von brutalen Gewalttaten unter Jugendlichen mit Missständen in der eigenen Familie zusammenhängen.

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